Es geht nur Schritt für Schritt
Ambulante Reha ist aus den Versorgungsstrukturen in Deutschland nicht
mehr wegzudenken. Dennoch erfolgen nach Angaben der Deutschen
Rentenversicherung im orthopädisch-chirurgischen Bereich noch fast 90 Prozent
der Rehabilitation in stationären Kliniken. "Ambulant vor stationär" fordert
der Gesetzgeber. Im "THERAmed Rehazentrum Bad Staffelstein" werden seit 15
Jahren - neben Physiotherapie auf Rezeptbasis - Patienten mit Muskel-Gelenk-und
Wirbelsäulenleiden sowohl im konservativen, als auch im operativen Spektrum erfolgreich
behandelt. Ulrike Richter, eine Patientin nach Bandscheibenoperation und
Michael Klob, Leiter der Tagesklinik, blicken auf den täglichen Ablauf.
Ulrike
Richter erlitt als aktive Schießsportlerin durch einseitige Bewegungen und
Belastung einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule. Zwei
Wochen nach der notwendigen Operation in einer neurochirurgischen Klinik in
Oberfranken begann sie mit der Anschlussrehabilitation im THERAmed. Der Sozialdienst der Klinik stellte ihr die
Möglichkeiten einer stationären oder ambulanten Reha dar. Die Entscheidung für die Einrichtung in Bad
Staffelstein fiel der Mutter von zwei Kindern leicht: "es sei wohnortnah, sie könne sich
abends um die Kinder kümmern, die
Familie werde, zumindest zeitweise, durch eine Haushaltshilfe unterstützt und alle notwendigen Therapien würden
geboten", so Ulrike Richter. Innerhalb weniger Tage habe sie dazu einen
Platz bekommen. Auch Michael Klob unterstützt die zeitnahe Patientenaufnahme.
In der Regel dauere es maximal 14 Tage: "Wir bemühen uns und machen notfalls Überstunden."
Insgesamt
15 Therapietage sind für die Anwendungen der Bandscheibenpatientin vorgesehen.
Je nach Motivation, Heilungsverlauf und Belastbarkeit werden durch unsere
Rehaärzte zeitweise Verlängerungsanträge gestellt. "Die Regelverweildauer im Haus liegt bei 17
Tagen", sagt Michael Klob und verweist auf die im Qualitätsmanagement erfassten
Daten. "Eine Verlängerung hängt vom Therapieerfolg ab, die Maßnahmen werden im
Rahmen der Eingangsuntersuchung festgelegt", weiß Ulrike Richter.
Ihr
Tag im THERAmed beginnt wechselweise
mit medizinischem Gerätetraining oder 40 minütiger krankengymnastischer
Einzelbehandlung auf die Ausdauertraining mit Gymnastik folgen. Ein bis zwei
Mal pro Woche findet ergänzend in der Obermaintherme durch Therapeuten des
THERAmed indikationsspezifische Wassergymnastik statt. Bei Bedarf könne man sogar psychologisch betreut
werden. "Gesicherte Psychosen und
Angstzustände sind allerdings ein Ausschlusskriterium für eine ambulante
Versorgung, diese Patienten müssen stationär rehabilitiert werden", wirft
Michael Klob ein. Gleich zu Beginn der Behandlung wird deutlich, dass jeder
Patient individuell mit seinem Leiden ernst genommen und jede Anwendung
speziell abgestimmt wird. So arbeitet Ulrike Richter im Trainingsraum gezielt
mit Geräten, die ihre Wirbelsäulenmuskulatur stärken oder ihren Rumpf
stabilisieren. "Ende der 1980er Jahre", weiß Michael Klob, "wurden
Bandscheibenpatienten noch in Gipsliegeschalen ruhig gestellt." Heute sollen
diese möglichst rasch und
strukturschonend an Alltag und Beruf herangeführt werden. Das sei auch auf minimal invasive und moderne
OP-Verfahren, z.B. auch in der Prothesenversorgung zurückzuführen. Die ambulante Nachsorge ist
wesentlich aktiver und progressiver geworden.
In der
Einzelbehandlung werden mit examinierten Krankengymnasten Muskel- und
Gelenkschmerzen reduziert, Anleitungen zur Lagerung, Entlastung und
rückengerechten Bewegung gegeben sowie Übungen zur Stabilisation der
Wirbelsäule gezeigt- insbesondere für zuhause. Überaus lobt Ulrike Richter die
Verhaltensanweisungen, die ihr an die Hand gegeben werden. Heben, Tragen und
andere alltägliche Tätigkeiten bereiten nicht nur Patienten mit
Bandscheibenvorfall Probleme. Nachsorgekonzepte stehen im THERAmed hoch im
Kurs. "Oft sind es simple Dinge wie Anziehhilfen oder Toilettensitzerhöhungen,
manchmel allerdings auch kostenintensivere Maßnahmen wie höhenverstellbare
Tische und spezielle Sitzmöbel", weiß Michael Klob. Und die bekomme man leider
viel zu selten gezeigt. Aus diesem Grund publizierte er selbst eine Broschüre
für Patienten nach Hüftprothese und erklärt in seiner Veröffentlichung
bilderreich etwa das richtige Einsteigen ins Auto. Eine Checkliste vor und nach
der Operation helfe zudem. In den Alltag und den Beruf übertragbar müssen die
Hilfestellungen sein, deshalb finden Belastungserprobungen durch
Ergotherapeuten statt.
Durch
die Kooperation mit dem angrenzenden Pflegeheim des Bayerischen Roten Kreuzes
bietet das THERAmed jeden Tag Mittagessen
aus einem Auswahlmenü an. Ein Café im Haus lädt zum Entspannen ein und der
Sauna-Wellnessbereich verschaffen die nötigen "Verschnaufpausen".
Im
letzten Tagesabschnitt der ambulanten Behandlung stehen für entsprechend
belastbare Patienten eine Stunde Ausdauer oder Entspannung auf dem Programm.
Ulrike Richter schwärmt von den nicht üblichen Methoden. Mit einer Psychologin
unternahm sie in einem Entspannungstraining, das verbunden war mit autogenem
Training, eine "Reise ins Traumland".
Auch
wenn sich nur drei Wochen nach der
Operation noch keine vollständige Alltagsbelastbarkeit zeigt, merkt auch sie
ihren Fortschritt durch die Behandlung. Sie gewinne Selbstvertrauen durch den
Muskelaufbau.
Zunächst
gelte es, das OP-Ergebnis zu sichern, erklärt Michael Klob und zählt auf:
Mobilität, Stabilität, kontrollierte Mobilität, statisch-dynamische Kontrolle
und Geschicklichkeit. Diese fünf Rehabilitationsmaßnahmen durchlaufe jeder
Patient, ob neurologisch oder chirurgisch-orthopädisch. Nach der Rehabilitation bietet sich eine
sogenanntes "IRENA", die "Intensivierte
Reha-Nachsorge" an. Ulrike Richter weiß, dass sie noch nach dem offiziellen
Ende der Behandlung (auch berufsbegleitend abends) das THERAmed nutzen kann.
Die
langen Öffnungszeiten sind ein großer Vorteil für Berufstätige. Auf Verbesserungsvorschläge angesprochen regt
Ulrike Richter an: " ein Ruheraum mit Blick auf den Staffelberg wäre eine
schöne Ergänzung".
Der
steht schon auf der Agenda vom Leiter der Tagesklinik. Durch stetes
Qualitätsmanagement bleibt Michael Klob am Puls der Zeit und seinen Patienten.
Seinen Traum, indikationsspezifische Gruppen zu schaffen, verwirklicht er
gewiss. Doch er weiß auch: "Es geht nur Schritt für Schritt." Für das THERAmed
und die Genesung der Patienten.
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