Extremsportler Ullrich Zach im THERAmed

Ullrich Zach erfüllte sich einen Lebenstraum. Dreieinhalb Jahre hatte er trainiert, um am Transeurope Footrace 2009 teilzunehmen, einen Lauf der Superlative: 64 Etappen von Bari bis Süditalien bis ans Nordkap, die kürzeste Etappe 44 Kilometer, die längste 94 Kilometer, bei einer Gesamtdistanz von rund 4500 Kilometern.
Der Transeurope-Footrace ist einmalig in Europa. Weder von der Distanz noch von der physisch-mentalen Herausforderung gibt es Vergleichbares. Von 68 Starterinnen und Startern, Profis und Amateure zwischen 35 und 55 Jahren, kamen 45 ans Ziel. Immerhin war pro Tag eine doppelte Marathonstrecke zu bewältigen. Oder wie Ullrich Zach sich ausdrückte: "Was das Schach bei Brettspielen, ist die Ultralangstrecke beim Laufsport - die Taktik ist wichtig."
Die Teilnahme an dem längsten Marathon Europas war für den 52-Jährigen eine persönliche Herausforderung. Mit Mitte 30 hatte der technische Angestellte das Laufen für sich entdeckt. Mit kurzen Strecken begann er uns steigerte sich dann kontinuierlich. Als er vom Transeurope Footrace hörte, der 2009 zum zweiten Mal (nach 2003) stattfinden sollte, wollte er bei diesem sportlichen Ereignis unbedingt dabei sein. Bei seinem Arbeitgeber, der Firma Brose, stieß er auf offene Ohren - immerhin brauchte er ja 64 Tage Urlaub am Stück.
Ullrich Zach bereitete sich körperlich und mental intensiv auf diese Herausforderung vor. Von seinem Arbeitsplatz in Coburg lief er oftmals nach Weißenbrunn vorm Wald, wo er zu Hause ist. Tausende Kilometer spulte er so ab. Auch an vielen Marathonläufen nahm er teil, um seinen Körper zu stählen.
Dann war es soweit, in Bari fiel der Startschuss. Tag um Tag wurde gelaufen, gelaufen, gelaufen. Die Nächte verbrachten die Läufer in Turnhallen und Schulen oder auf Campingplätzen. So richtig allein waren sie nie, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen. Doch das Naturerlebnis war wunderbar, und auch die Unterstützung durch Passanten und jubelnde Schulkinder.
Auf den 4500 Kilometern von der italienischen Stiefelspitze bis zum Nordkap arbeitete er sechs Paar Laufschuhe auf. "Aber ich hab` mir nicht mal richtige Blasen gelaufen", sagt Ullrich Zach. "Bei meinem Laufstil", merkt er ironisch an, "trete ich mit der linken Ferse immer den Absatz runter". Kaputt gingen also zunächst nur die linken Schuhe, die rechten wären noch eine Weile brauchbar gewesen, "wenn ich jemanden gehabt hätte, der mit mir getauscht hätte".
Natürlich hatte der 52-Jährige auch seine Durchhänger - vor allem auf den letzten Etappen in Skandinavien, als es bitterkalt war, als Regen und Wind den Läufern zusetzten. 40 Kilometer über eine karge Hochebene. Die Tageskommentare der Extremsportler waren knapp, aber treffend: "Überlebt!" Trotz der widrigen Umstände auf den letzten Etappen siegten der Sportsgeist und die grimmige Entschlossenheit: "Die wackeln wir jetzt auch noch ab!"
Wichtig an diesem Sport ist, die Ressourcen richtig einzusetzen, sich nicht zu verausgaben. "Langstreckenlauf ist Krisenmanagement", sagt Ullrich Zach. Manchmal, fügt er hinzu, hörte man früh den Regen aufs Hallendach prasseln und wünschte sich, einfach liegenbleiben zu dürfen. Um diesen extremen Sport betreiben zu können, braucht man eine gesunde Einstellung zur eigenen Leistungsfähigkeit sowie eiserne Körperdisziplin.
Ach ja, das Essen: "Man isst alles, was man kriegen kann." Es gelte, dem Körper Brennstoff zuzuführen - in Form von Schokolade, Wurst oder Müsli. Die Energie, die für diesen Sport benötigt wird, ist enorm. Und wichtig ist auch, nicht zu schnell loszupreschen. Gleichmäßiger Einsatz der Kraftreserven ist notwendig, um nicht auf den letzten Etappen schlapp zu machen. "Je länger die Strecke ist, desto mehr spielt der Kopf eine Rolle", erklärt Ullrich Zach. Sein Kopf war mindestens ebenso wichtig, ihn ans Ziel zu bringen wie seine Beine. Von Anfang an hatte er sich geschworen: "Du kommst dort oben an - aber nicht als Wrack, sondern mit einer guten Leistung."

Quelle: www.infranken.de



Ullrich Zach im THERAmed

zurück